Genua – Meer der Schweiz!

Wie die Righi nach Genua kam: ein Lesewanderbuch

Wie die Righi nach Genua kam

Wie kamen die Righi, die Engadiner-Torte und die Schweizer Bahnhofsuhr nach Genua?

Wussten Sie, dass es in Genua eine Righi gibt? Wie die Schweizer Rigi ist auch die Genueser Righi ein begehrter Aussichtspunkt. Nur sieht man in Genua nicht auf den Vierwaldstättersee sondern weit übers Meer hinaus. Wie kam dieser Namen-Transfer zustande und was verbindet die innerschweizer Rigi mit der italienischen Righi?
Wenn man in das Schaufenster der stadtberühmten Pasticceria Fratelli Klainguti schaut, läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Und man traut seinen Augen nicht: da steht doch auf der Ablage eine cremige Torte, welche Torta Engadina genannt wird. Wir fragen uns: Wie viel Engadin steckt tatsächlich in diesem Kuchen drin?
Wir betreten auf der Piazza Corvetto die ehemalige Orologeria Jost (heute Gioielleria Accardo) und bemerken, dass eine Schweizer Bahnhofsuhr die Eingangstüre schmückt. Der Ladenbesitzer begrüsst uns dann jedoch weder auf Genuesisch noch auf Schweizerdeutsch, sondern mit seinem sizilianischen Charme. "Certo: un orologio svizzero in Sicilia non farebbe danno a nessuno!", meint er.

Genua: eine (noch) zu entdeckende Stadt

Die meisten von uns kennen die italienischen Hafenstadt Genua nur als Ort um Aufzubrechen, um mit einem Schiff auf Kreuzfahrt oder nach Sardinien auszulaufen. Genua ist jedoch auch ein wunderbarer Ort um einzulaufen, anzukommen und zu verweilen. Denn, wer einmal durch die unzähligen vicoli und carruggi gelaufen ist, wer die imposanten Schatten und die fragilen Himmelsstücke in den endlosen Gassen auf sich einwirken lässt, sich den Gerüchen von Welt, Globalisierung und lokalem Urin aussetzt, wer erlebt, wie sich die Distanziertheit in Ehrlichkeit und Direktheit umwandelt, sobald die genuesische Kellnerin merkt, dass man sich für ihre Stadt interessiert, wer dies nur ansatzweise erlebt, dem offenbart sich eine Stadt, die einmalig ist in Italien.
In gut fünf Stunden ist man von Zürich aus per Zug in Genua und somit entdecken immer mehr Reisende diese äusserst faszinierende und vielfältige Stadt. Einen deutschsprachigen Reiseführer zu Genua in Buchform sucht man vergebens - Genua ist jeweils "nur" ein Kapitel in den Reiseführern zu Ligurien.

Von gestern und heute, Kunst und Geld, Politik und Poesie

Wir haben uns schon vor Jahren in diese Hafenstadt verliebt und kehren regelmässig dorthin zurück. Es sind folgende Themen, die uns immer wieder aufs Neue faszinieren:
- Der Hafen - Mittelpunkt und Drehscheibe Genuas: Die vielseitige und weit in die Zeit zurückreichende Geschichte eines der wichtigsten Häfen Europas.
- El siglo de oro: Der kometenhafte Aufstieg Genuas im 16. Jahrhundert, welcher Genua in erster Linie seiner Tätigkeit als Bank für ganz Europa verdankt und der sich in der ganzen Altstadt städtebaulich niederschlägt.
- Genua - die Krake: Der Ausbruch aus der Altstadt am Ende des 19. Jahrhunderts, die starke Gentrifizierug, welche die Stadt im 21. Jahrhundert erfuhr und die Frage nach Zukunftsaussichten der Hafenstadt.
- Wenn Strassen Geschichten erzählen: Genua kann man als Hotspot von aufständischen, rebellischen und zukunftsweisenden Ereignissen bezeichnen. Der Genueser Mazzini nahm 1835 für seine Idee eines geeinten, republikanischen Staates Italien das Exil in der Schweiz in Kauf; die gewalttätigen Geschehnisse am G8 Gipfel in Genua im Jahr 2001 haben die Sicherheitsdiskussion weltweit grundlegend verändert.
- Genua - die Bergstadt: zu diesem erstaunlichen Ergebnis sind wir, nach vielem Treppensteigen, gekommen. Die technischen Hilfsmittel, welche für eine möglichst mühelose Bewältigung der Höhenunterschiede am Ende des 19. Jahrhunderts eingerichtet wurden, bauten zum Teil Schweizer Pioniere.
- Immigration = Emigration: Hafen um aufzubrechen / Hafen um anzukommen / Hafen um zu verweilen / Gefesselt… schreibt der Engadiner Schriftsteller Dumenic Andry. Dies haben seine Landsleute, welche im 19. Jahrhundert in Genua als Hoteliers, Besitzer von Kolonialwarenläden, Bierbrauer, Zuckerbäcker etc. Fuss fassten, anscheinend auch so erlebt. Und wie ergeht es den heutigen MigrantInnen aus Lateinamerika und Nordafrika, die sich in der Hafenstadt niederlassen?
- Kunst unter freiem Himmel: Bestens bestückte Museen bieten in Genua ein sehr weites Spektrum an Kunst an. Uns fasziniert jedoch die Kunst unter freiem Himmel, und zwar auf dem Monumentalfriedhof Staglieno. Zudem ist der Friedhof ein gelungenes Abbild einer kosmopolitischen Stadt.
- Fabrizio de André: Als "der italienische Leonhard Cohen" wird der Genueser cantautore Fabrizio de André bezeichnet. Die Texte des anarchischen Liedermachers finden sich heute in den Schulbüchern. Es gibt niemanden in ganz Italien, der nicht mindestens eines seiner poetisch-politischen Lieder mitsummen kann. Die Hafenstadt hat ihn zu seinen Liedern inspiriert.

Diese, und weitere Themen, möchten wir unseren LeserInnen näher bringen.

Ein Reiseführer zu Genua der besonderen Art

Wir wollen es mit "unserem" Reiseführer jedoch wie Heinrich Federer halten, der 1904 folgendes schrieb:

"Gewiss soll man alles Schöne und Grosse, soweit man es vermag, sich ansehen. Aber der allgemeinen Suggestion, die vielleicht schon hundert- oder tausendjährig ist und wie eine Tyrannin mit ihrer eigenwilligen Meinung auf uns allen drückt, der allgemeinen Suggestion, dies sei das Schönste, jenes das Lohnendste, dieser Suggestion sollte man sich endlich entziehen können. […] Daher empfehle ich nicht, Bücher über Italien zu lesen. Man gehe und lese Italien selbst. […]. Die Historia freilich, die Historia des Landes sollte man studieren. Die alte aus den Büchern, die neue aus dem Volksmunde und den Zeitungen."

Unser Reiseführer wird eine Art "Lesewanderbuch" werden, welches anhand diverser Themen einen Kulturraum erschliessen soll. Geschichten, Personen, historische und aktuelle Bezüge und Einsichten sollen punktuell vertieft und vor Ort veranschaulicht werden. Immer wieder werden wir auf Schauplätze in Genua hinweisen, welche von SchweizerInnen in den letzten 250 Jahren mitgestaltet und geprägt wurden. Natürlich darf auch der Service-Teil nicht fehlen, wo wir auf Übernachtungsmöglichkeiten, Restaurants und Events hinweisen werden.

Das Buch kann beim Rotpunktverlag erscheinen, der bereit ist, die Druckkosten zu übernehmen. Unser Aufenthalt von 3 Monaten in Genua, den wir diesen Frühling antreten werden, und die Recherchen, Bilder, die aktuellen Informationen etc., welche ins Buch einfliessen werden, sowie das Verfassen der Texte müssen wir mit diesem Crowdfunding decken können. Der Kanton Graubünden hat unser Gesuch um eine finanzielle Starthilfe gutgeheissen und unser Projekt in Fahrt gebracht. Jetzt sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen, um uns an die Arbeit machen zu können!
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